Stuttgarter Innovationspreis für Kindertagesstätten 2015 zum Thema „Gesunde Ernährung“

„Gesunde Ernährung“ ist eines der Top-Themen im Kindergarten

In der Vielzahl der Bewerbungen lässt sich erkennen, dass sich viele Kindertagestätten dem Thema der „Gesunden Ernährung“ annehmen und die Kinder auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema in Berührung kommen. Nahezu alle Einrichtungen bevorzugen regionale und saisonale Produkte und gehen mit den Kindern auf nahegelegene Märkte, Bauernhöfe oder Bio-Märkte zum Einkaufen. Auch der Besuch beim Imker ist im Kindergartenjahr fest eingeplant und in den meisten Fällen können die die Kinder in eigenen Hochbeeten oder im eigenen Garten den Lebensmittelanbau nachvollziehen.
Frisches Obst oder frisches Gemüse als Rohkost zum Knabbern steht überall zu unterschiedlichen Zeiten zur Verfügung und wird vielfach von den Kindern selbst zubereitet und geschnippelt. Selbstkochtage oder jahreszeitbezogene Backaktionen finden überall statt. Dennoch gibt es unterschiedliche Herangehensweisen:

Der Sieger:

Kinder und Familienzentrum Ebersbacher Straße, Stuttgart Wangen, Träger Landeshauptstadt Stuttgart
• 138 Kinder aus 21 Nationen im Alter zwischen 0 und 14 Jahren

Bei der begrifflichen Definition „Gesunde Ernährung“ wird ausdrücklich auf die Freude an der Nahrungsaufnahme wert gelegt. Anderen Esskulturen gegenüber wird mit Neugierde und Interesse begegnet: Ein gemeinsam mit Eltern zusammengestelltes Kochbuch mit internationalen Gerichten stärkt diese Neugierde noch.
Mit Gesprächen und Übungen, sowohl mit den Kindern als auch mit den Eltern, wird versucht auf Essgewohnheiten Einfluss zu nehmen. Außerdem wird das Thema „Ernährung“ in der Einrichtung mit zusätzlichen Bewegungsangeboten kombiniert. Selbstkochtage sowie Eltern-Kochwochen bringen eine bunte Abwechslung zum gelieferten Essen. Es besteht ein enger Kontakt zu einer Ernährungsexpertin des Jugendamtes, die auch ein Projekt, mit der Frage, was sich in Fertigprodukten versteckt, begleitet. Die Kinder fahren täglich mit ihrer „Tschu-Tschu-Eisenbahn“ ins Kinderrestaurant und läuten die Mahlzeit mit einem gemeinsamen Tischspruch ein. Die Erzieher sitzen mit den Kindern am Tisch und essen mit den Kindern gemeinsam. Die Hochbeete werden mit Unterstützung der Eltern gepflegt. Die Kinder dürfen sich am Apfelbaum ihren „eigenen“ Apfel pflücken, indem sie den alten Baum mit Hilfe einer Leiter besteigen. Die übrigen Äpfel werden mit den Kindern zu Apfelsaft, Apfelmus oder Apfelkuchen verarbeitet. In der Einrichtung wird den Eltern in den regelmäßig stattfindenden Entwicklungsgesprächen Rückmeldung über das Essverhalten der Kinder gegeben. Es liegen Rezepte zum Mitnehmen in der Einrichtung aus. Familien werden regelmäßig zum Frühstück in die Kita eingeladen.

2.Platz

Kindergruppe Nikolausstraße e.V., Stuttgart Ost, Privater Träger
• 15 Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren
• Eltern‐Kind‐Initiative

Bei der Eltern-Kind-Initiative Kindergruppe Nikolausstraße merkt man schon bei der Definition des Themas, welche Wichtigkeit „Gesunde Ernährung“ in der Einrichtung einnimmt: So werden als Snack und Zwischenmahlzeit den Kindern Trockenfrüchte und Nüsse angeboten. Auf weißen Zucker vollständig verzichtet.
Die Eltern wechseln sich beim Zubereiten des täglich frisch zubereiteten Mittagstischs ab. Mit dem Preisgeld will die Einrichtung die Küche für regelmäßige Kinderkochtage ausstatten. Einmal Müller sein: Jeden Tag ist eines der Kinder der „Müller“, es darf mit einer kleinen Hand-Getreidemühle eine Portion Weizen mahlen. Am Ende der Woche werden aus dem selbst gemahlenen Mehl gemeinsam leckere Brötchen zubereitet. Das Dessert wird immer an einem Sitzplatz im Freien eingenommen. Dabei wird stets darauf geachtet, dass sich die Kinder nicht zu viel nehmen, um möglichst nichts wegwerfen zu müssen. Der Waffelstand auf dem Sommerfest, bei welchem die Kinder den Erwachsenen die Waffeln backen, rundet die Mitmachaktionen für die Kleinen ab.

3. Platz

Tageseinrichtung Nobileweg, Stuttgart-Stammheim, Träger Landeshauptstadt Stuttgart
• 48 Kinder im Alter zwischen 0 und 6 Jahren

In der städtischen Tageseinrichtung Nobileweg in Stuttgart-°©‐Stammheim wird das täglich gelieferte Essen mit frischen Kräutern oder die im Kindergarten selbst angebauten Lebensmittel täglich verfeinert und frisch abgeschmeckt. Am Ende der Woche wird aus dem Restobst und dem Gemüse dann frischer Saft gepresst.
Sollten die Erzieherinnen und Erzieher feststellen, dass die Kinder zu wenig Abwechslung in ihrer Vesperdose haben, werden die Eltern durch ein Infoschreiben darüber informiert. Es gibt fachkundige Tipps. Sollte eines der Kinder an einem gestörtem Essverhalten leiden vermittelt die Tageseinrichtung Beratungsgespräche. In der Tageseinrichtung Nobileweg wird großen Wert gelegt, den Kindern ein Bewusstsein für gesunde Lebensformen zu vermitteln und auch Bildungsprozesse anzuregen, wie die Kids gesund bleiben. Der Tischschmuck wird jahreszeitlich bunt gestaltet. Brote mit Salaten und essbaren Blüten garniert und verziert.
Besonders aufgefallen ist die Einrichtung, weil mit den Kindern bei den wöchentlichen Einkäufen auch über Verkaufsstrategien gesprochen wird und den Kindern beigebracht wird, wie sie gute von schlechter Ware unterscheiden können, warum manches Obst besonders glänzt und wo teure und wo günstigere Lebensmittel im Markt liegen!

Der von dem Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e.V. ausgelobte Innovationspreis prämiert bereits zum sechsten Mal Ideen und Ansätze zur Qualitätssicherung in den Kindertagesseinrichtungen Stuttgarts. Dieses Mal ging es um das Thema „Gesunde Ernährung“. Gesucht waren Konzepte und Ideen, wie das Thema in den Kindergärten und anderen Einrichtungen für Kinder umgesetzt wird. Neben der Definition der Begrifflichkeit war gefragt, wie Kindern und Eltern im Alltag der Umgang mit gesunder Ernährung vermittelt wird und wie beide Gruppen in deren Umsetzung eingebunden sind. Besonderen Wert legte die Fachjury auf die Vermittlung traditioneller Rituale, die bei den Mahlzeiten gepflegt werden, und welche Ausflüge mit den Kindern unternommen wurden, damit diese die Herkunft der Lebensmittel kennen lernten.

Die fünfköpfige Jury, bestehend aus der Ernährungswissenschaftlerin Professor Christiane Bode und dem Inhaber des Restaurants Delicé, Evangelos Pattas, der Kinderbeauftragten Maria Haller-Kindler und dem ehemaligen Leiter des Jugendamts Stuttgart, Bruno Pfeifle und Dr. Stephanie Mair-­‐Huydts, Vorstand im Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e.V., kürte einstimmig die Sieger-Einrichtungen.

Insgesamt 42 Einrichtungen aus ganz Stuttgart haben sich um den Innovationspreis beworben. Davon waren 20 Bewerbungen von Einrichtungen freier Trägerschaft, 17 Bewerbungen städtischer Einrichtungen und 5 Bewerbungen kirchlicher Träger. „Die große Anzahl von Be-werbungen, die teils sehr aufwändig und liebevoll gestaltet waren, zeigt uns, dass das Thema gesunde Ernährung eine große Rolle spielt“, erläutert Silke Schmidt-­‐Dencker, Geschäftsführung des Fördervereins Kinderfreundliches Stuttgart, „wir sind sehr angetan, wie bereits den Kleinen Ernährungsgewohnheiten vermittelt werden.“

Durch die Kooperation mit dem Kulinarischen Sommermärchen der Stuttgarter Sternerestaurants im Sommer 2015 konnte der Stuttgarter Kindertagesstätten-Innovationspreis vom Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e.V. und der Stadt Stuttgart wieder ausgeschrieben werden. Unterstützt wurde die Ausschreibung ferner von der Robert Bosch Stiftung, der BW Bank und der Märkte Stuttgart GmbH.

Mit dem Innovationspreis für Kindertagesstätten zeichnen der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart und die Stadt Stuttgart gemeinsam besonders gelungene Ideen und kreative Ansätze zur Qualitätssteigerung in Stuttgarter Kindergärten und Kindertagesstätten aus. Ziel der Ausschreibung ist es, zum einen die vielfältigen und innovativen Ideen, die in den Einrichtungen zu den unterschiedlichen Themen verwirklicht werden, dazustellen, zu unterstützen und dann zur Nachahmung anzuregen. So wurden bereits in den vergangenen Jahren beispielsweise das Thema der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Integration im Stadtteil oder das Thema „Gelungener Übergang von Kita in die Grundschule“ ausgeschrieben.

Kulinarisches Sommermärchen 2015

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